Nachhaltigkeit und Fair Trade in der Mode – Plädoyer für ein Umdenken

Nachhaltigkeit und Fair Trade in der Mode – Plädoyer für ein Umdenken

Wir alle achten auf unsere Gesundheit und die meisten auch auf eine gesunde Ernährung. Ebenso ist es vielen wichtig, Kosmetik zu verwenden, die frei von bedenklichen Inhaltsstoffen ist und zudem ohne Tierversuche hergestellt wurde. Die meisten Menschen sind auch durchaus bereit, hierfür mehr Geld auszugeben.
Doch wie sieht es mit der Mode aus? Sind modebewusste Frauen und Männer bereit, einen höheren Preis für nachhaltige Kleidung ausgeben?
Kann z.B. eine Bluse, die im Verkauf 30 Euro kostet, fair und nachhaltig produziert sein? Sind die Kundinnen und Kunden bereit, ein Mehrfaches auszugeben, wenn die Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau stammen und die Näherinnen in Asien fair bezahlt werden? Oder auch, wenn ein Kleidungsstück umweltfreundlich aus recyceltem Polyester hergestellt wird oder aus Sojaproteinen?
Die ehrliche Antwort darauf würde in vielen Fällen lauten: „Natürlich möchte ich nachhaltig gefertigte Produkte kaufen, aber nicht heute und nicht für so viel Geld.“

In vielen anderen Branchen wie der Pharma-, Luftfahrt- oder Fahrzeugindustrie gehört die Umweltfrage selbstverständlich zum festen Bestandteil der Unternehmensideologie.
In der Modewelt wird dieser Aspekt leider vielfach vernachlässigt.

Immer wieder erschüttern uns Berichte über die unwürdigen Arbeitsbedingungen von Näherinnen in Billiglohnländern ebenso wie giftige Chemikalien in der Kleidung – ganz zu schweigen von Katastrophen wie Explosionen in solchen Fabriken. Pestizideinsatz und Wasserverbrauch sind beim konventionellen Baumwollanbau zudem enorm.

Aus diesen schlimmen Gegebenheiten gibt es jedoch Auswege, auch wenn diese ein Umdenken erfordern. Die Verwendung von einwandfreien Bleich- und Färbemitteln sowie die Schaffung sicherer Arbeitsplätze sind gute Ansätze, um die Modewelt fairer und nachhaltiger zu machen – aber verständlicherweise erhöhen diese Ansprüche auch die Produktionskosten, was zu einem höheren Verkaufspreis führt.

Es gibt bereits einzelne Unternehmen, die sich den Nachhaltigkeitsbestimmungen verpflichtet haben und soziale, ökologische und ökonomische Verantwortung übernehmen.

Einige Modemarken (auch durchaus die größeren am Markt) wollen bis 2020 auf Bio-Baumwolle umsteigen und damit schädliche Chemikalien komplett aus ihrer Produktion verbannen. Ebenso wollen sie in Zusammenarbeit mit den Regierungen der jeweiligen Länder soziale Standards und Mindestlöhne festlegen.

Wir, als Kundinnen und Kunden, sollten auch mehr über unsere Kleidung nachdenken. In keinem anderen Bereich sind Trends so schnell veraltet wie in der Mode. Wir sollten wieder damit anfangen, Kleidung zu schätzen und vielleicht auch zu reparieren, zu stopfen oder aus alten Stücken neue nähen, wenn es uns nicht glücklich macht, ständig den neuesten Trends nachzulaufen…

Wäre es ein schönes Gefühl, Kleidung zu tragen, die in der ganzen Herstellungskette fair, verantwortungsvoll und umweltfreundlich produziert wurde? Vielleicht sollten wir auch beim Kleidungskauf an die Devise des Designs denken: Manchmal ist weniger mehr.

 

Mehr über die Autorin:

Partner: Onuma, Dr. Natalja
4. November 2015

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