Algen – Rohstoff der Zukunft?

Die einen denken bei Algen an glibberiges Grün im Meer, die anderen setzen auf Algen als modernes Superfood. Was sind eigentlich Algen und warum werden Sie plötzlich von der Wissenschaft so hoch gelobt?

Im Groben können Algen in zwei Arten unterteilt werden: Mikroalgen und Makroalgen. Mikroalgen sind mikroskopisch kleine eukaryotische Lebewesen, Makroalgen hingegen können eine Größe von bis zu 60 Metern erreichen. Aber auch Makroalgen zählen biologisch nicht zu den Pflanzen, sondern auch zu den Eukaryoten – sie verfügen weder über Wurzeln und Blätter, noch tragen sie Blüten und Früchte.

In Asien sind Algen seit Jahrtausenden als Nahrungsmittel in ganz unterschiedlichen Formen bekannt – bei uns waren Bekanntheit und Verwendung in den letzten Jahrzehnten vor allem auf die Nori-Alge beschränkt, die auch im Sushi Verwendung findet. Jedoch erfolgte hier in letzter Zeit eine Trendwende: Die Mikroalgen Chlorella und Spirulina führen die Listen der Superfoods seit einiger Zeit auch bei uns an.

Auch die Kosmetikindustrie hat die Algen für sich entdeckt. Dies ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Algen die gesammelten Wirkstoffe des Meeres in sich tragen. Auch sind inzwischen Algen entdeckt worden, die z.B. über eine antibakterielle Wirkung verfügen.

Die Forschung ist jedoch noch ziemlich am Anfang. Von den etwa 70.000 Algenarten weltweit ist erst gut die Hälfte wissenschaftlich beschrieben worden.

International ist China der größte Produzent für Makroalgen, aber auch die USA und Europa sind gut aufgestellt, wenn die Algenernte auch auf unterschiedliche Weise erfolgt. Vor der pazifischen Küste der USA pflügen riesige Mähmaschinen durchs Wasser, in Frankreich hingegen wird die Algenernte in speziell ausgerüsteten Booten eingefahren.

Und bei der Verarbeitung zu Lebensmittel oder Kosmetika bleibt es nicht: Wegen ihrer Vielseitigkeit und biologischen Eigenschaften entsteht aktuell ein regelrechter Algenhype. Algen können einen Großteil des Sauerstoffs für unseren gesamten Planeten liefern – und einen eben solchen Großteil an Nahrungsmenge für die Weltbevölkerung abdecken.

Algen sind aber auch für die Industrie ein wichtiger Rohstoff: Bestimmte Mikroalgen besitzen einen hohen Ölanteil, weswegen an Treibstoff auf Algenbasis gearbeitet wird. Die Universität Nantes in Frankreich ist bereits in der Praxiserprobung eines ganz anderen Bereiches: aus der Biomasse von Algen wurde ein nachhaltiger Straßenbelag entwickelt – und das allein mit den Resten, die für Lebensmittel- und Kosmetikindustrie nicht mehr nutzbar waren.

Auch haben Algen großes Potential, die global katastrophal hohe Plastikproduktion einzudämmen. Sie können als Verpackung genutzt werden und auch in Bereichen, in denen sehr stabile Kunststoffe gefragt sind, eingesetzt werden: In Kalifornien reiten Wassersportler inzwischen auf Surfbrettern aus Algen umweltfreundlich durch die Wellen.

Algen haben also jede Menge Einsatzmöglichkeiten – von eiweißreichem Superfood bis hin zum Nutzen in Industrie und Technik. Und: Algen benötigen keine Landfläche. Für ihren Anbau werden keine Regenwälder gerodet und sie produzieren keinerlei CO2. Sind Algen der Rohstoff der Zukunft? Wie sehen Sie das? Wir freuen uns auf Ihre Meinung!

7. September 2016

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