Heimische Heilpflanzen und ihre Geschichte

Sie sind oft unscheinbar, doch werden Sie seit Jahrhunderten zu Heilzwecken erfolgreich eingesetzt. Heimische Heilpflanzen wachsen nahezu vor unserer Haustür. Und dies ist auch genau einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren: die Wirksamkeit dieser Pflanzen beruht, neben den vielfältigen Inhaltsstoffen, auch darauf, dass sie in unserem Klima und Bodenverhältnissen ihre Kräfte optimal entfalten können. Zudem kann unser Organismus die Wirkstoffe von heimischen Pflanzen oft besser aufnehmen als von Pflanzen, die auf anderen Kontinenten wachsen.

Die Liste der lokalen Heilpflanzen ist lang – und immer wieder werden in Vergessenheit geratene Pflanzen mit aufgenommen. Interessant ist oft die Geschichte der Namensgebung – sie sagt viel über die Heilpflanze aus. Anbei ein kleiner Überblick über einige der wichtigsten heimischen Heilpflanzen und ihre Hintergründe:

 

Achillea millefolium – Schafgarbe

Schon seit der Antike wird die Schafgarbe (Achillea millefolium) als Heilmittel geschätzt, heilkundlich in erster Linie zur Blutstillung. Laut griechischer Mythologie hat sogar Achilles (nach ihm wurde auch die „Achillesferse“ benannt) die Schafgarbe angewendet: Seine Kämpfer, die beim Angriff auf Troja verletzt wurden, soll er mit Schafgarbenkraut geheilt haben. Daraus stammen der lateinische Name „Achillea“ sowie die volkstümliche Bezeichnung „Achilleskraut“.

Der deutsche Name „Schafgarbe“ trägt die zweite heilende Wirkung: die wohltuende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt wurde bereits vor Jahrhunderten bei Schafen beobachtet, die bei Krankheit auf den Weiden gezielt das Kraut gesucht und gefressen haben.

Auch heute noch wird die Schafgarbe erfolgreich zur Blutstillung und bei Magen-Darm-Problemen eingesetzt.

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Betulae folium – Birkenblätter

Birkenblätter haben in der Heilkunde eine lange Tradition. Schon in der Klostermedizin wurden die Blätter gegen Nieren- und Blasensteine, Gicht und Rheuma eingesetzt. Die moderne Phytotherapie konnte sich diesen Indikationen weitgehend anschließen. Birkenblätter werden häufig als Aquaretika eingesetzt. Damit erhöhen sie die Wassermenge im Harn, wodurch die Harnwege besser durchspült werden. Das ist sinnvoll bei Harnwegsentzündungen und -infektionen.

Das Prinzip des fließenden Wassers findet sich auch im Stamm der Birke wieder. Bereits im Mittelalter wurden Birken im Frühjahr angebohrt und das daraus reichlich fließende Birkenwasser getrunken. Auch dieses Tradition wurde wiederentdeckt: mittlerweile wird Birkenwasser schon in Bioläden in Flaschen verkauft.

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Centaurium erythraea – Tausendgüldenkraut

Das Tausendgüldenkraut galt einst als ganz besonders wertvolle Arzneipflanze – so viel wert wie tausend Gulden! Allerdings wurde bei der deutschen Übersetzung des lateinischen Namens doch etwas übertrieben: „Centaurium“ bedeutet eigentlich nur „hundert Goldstücke“. Heute wird das Enziangewächs zwar nicht mehr in Gold aufgewogen, liefert aber noch einige geschätzte Wirkstoffe.

Da das Tausendgüldenkraut viele Bitterstoffe enthält, wird es bevorzugt bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Ebenso findet es Anwendung bei Erkrankungen der Harnwege.

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Equisetum – Schachtelhalm/Zinnkraut

Der Schachtelhalm (auch Ackerschachtelhalm, da er gern an Ackerrändern wächst) ist eine der ältesten Pflanzen der Erde und besteht seit etwa 390 Millionen Jahren. Den Namen Schachtelhalm verdankt er seinem Äußeren: die einzelnen Abschnitte der Stängel wirken wie ineinander verschachtelt. Der Begriff Zinnkraut, der ebenfalls geläufig ist, lässt sich auf zwei Hintergründe zurückführen. Zum einen wurde mit dem etwas kratzigen Kraut gern Metall wie Zinn poliert, zum anderen ist die Festigkeit von Zinn mit der Wirkung assoziiert. Schachtelhalm enthält viel Silizium, also Kieselsäure. Aufgrund des Kieselsäuregehalts wirkt das Kraut zusammenziehend (adstringierend). Es festigt das Bindegewebe und regt den Stoffwechsel der Haut an. Schon Pfarrer Sebastian Kneipp empfahl jedem, der über vierzig Jahre alt sei, täglich eine Tasse Schachtelhalmtee zu trinken, damit die Gefäße stark und das Bindegewebe straff bleibe.

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Juniperus communis – Wacholder

Die Menschen schrieben dem Wacholder früher wundertätige Wirkungen zu. So sollten die spitzen Nadelblätter böse Geister fernhalten. Daher wurde auch beim Hausbau gerne ein Wacholderzweig mit ins Fundament gegeben. In Pestzeiten sollte der Rauch von verbranntem Wacholderholz die Luft reinigen und vor Ansteckung schützen. Auch heute noch wird der Rauch von Wacholder genutzt, um Geräuchertes zu aromatisieren und ein besonderes Aroma zu verleihen.

Generell findet Wacholder bis heute vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Er ist als Gewürz aus der Küche nicht mehr wegzudenken – aber ebenso wichtig ist seine Qualität als Naturheilmittel.

Neben der innerlichen Anwendung gegen Krämpfe wird der Wacholder auch äußerlich angewendet: Hierzu kommt Wacholderbeeröl zum Einsatz. Es regt die Durchblutung an und lindert dadurch Muskelverspannungen und rheumatische Beschwerden.

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21. Juni 2017

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