Das Geschäft mit den Bananen

Wir Deutschen sind Europameister im Bananenverzehr. Rund 100 Bananen futtert im Schnitt jeder Deutsche im Jahr. Bananen gehören also ganz selbstverständlich auf unseren Speiseplan. Doch wo kommen unsere Bananen eigentlich her und unter welchen Bedingungen werden sie angebaut?

Bananen wachsen in tropischen Gebieten; das Land mit den höchsten Anbauraten ist erstaunlicherweise mit knapp 28.000.000 Tonnen im Jahr Indien. Die Nation mit dem zweithöchsten Bananenertrag ist China. Das ist für uns erstmals verwunderlich, da die Bananen, die wir hier kaufen können, vor allem aus Mittelamerika kommen. Der asiatische Markt hat zwar die höchsten Erträge, für den Export bestimmt sind vor allem jedoch die Bananen anderer Staaten.

Was immer wieder erstaunlich ist: warum sind Bananen, vor allem im Vergleich mit anderen exotischen Früchten wie Ananas und Papayas im Supermarkt so billig? Zudem kostet ein Kilogramm Bananen oft nur die Hälfte wie ein Kilogramm heimischer Äpfel.

Eine Ursache dafür ist historisch begründet: Konrad Adenauer sorgte 1957 dafür, dass auf Bananen in Deutschland kein Einfuhrzoll erhoben wird.

Die anderen Ursachen sind leider eine Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte. Die Bedingungen, unter denen in Mittelamerika Bananen für deutsche Supermärkte und Discounter angebaut werden, sind katastrophal. Die Plantagen mit Bananenpalmen sind riesig, ständig sind Flugzeuge im Einsatz, die Pestizide versprühen – und diese regnen direkt auf die Arbeiter nieder, die ohne Schutzkleidung den ganzen Tag auf den Plantagen für wenig Lohn arbeiten. In den typischen Anbaugebieten sind viele Menschen schwer krank. Atemwegserkrankungen, Vergiftungserscheinungen, Tumorleiden bis hin zu schweren Fehlbildungen bei Kindern – die Liste der schlimmen Lebensbedingungen im konventionellen Bananenanbau ist lang.

Da diese Zustände immer mehr in die Öffentlichkeit gelangen, brüsten sich viele Discounter damit, nun auch Bananen im Sortiment zu haben, die biologisch angebaut und fair gehandelt sind – jedoch ist dies eine ziemliche tückische Sache und eigentlich nichts als ein Versuch, ein positives Image aufzubauen. Die Bananen, die von Discountern in Bioqualität und zu fairen Bedingungen eingekauft werden, machen nur eine kleinen Bruchteil aus – dafür tobt der Preis- und Ausbeutungskampf bei den konventionellen Produkten umso schlimmer, denn am Ende zählt nur eins: alles muss möglichst billig sein.

Doch wie kann eine mögliche Lösung aussehen? Wie bei fast allen Gütern des täglichen Lebens ist die Nachfrage der Endverbraucher eine wichtige Stellschraube: dass Bananen in Bioqualität und aus fairem Handel die bessere Wahl sind, ist wahrscheinlich allen klar.

Doch es ist auch entscheidend, wo wir diese kaufen. Biobananen aus dem Discounter führen dazu, dass die Preisschraube der anderen Produkte noch mehr angezogen wird, um den entgangenen Gewinn wieder auszugleichen. Im Bioladen jedoch gibt es Dumpingkämpfe nicht – und zudem haben viele Bioketten ihre eigenen Verträge mit Zulieferern in Mittelamerika, deren Zusammenarbeit transparent gehandhabt wird.

Wir wünschen uns, dass mehr und mehr Konsumenten die Augen dafür öffnen, unter welchen Bedingungen unsere täglichen Lebensmittel wachsen, geerntet werden und zu uns kommen. Haben Sie auch etwas, was Sie zum Thema Lebensmittelherkunft bewegt? Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Sie.

4. April 2017

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