Selbstheilungskräfte

Die Selbstheilungskräfte aktivieren – diese Bestrebung begleitet die Menschheit schon sehr, sehr lange.

Bereits antike Ärzte wie Hippokrates haben bei Kranken das Lebensumfeld und die psychische Verfassung des Menschen mit in ihre Therapie einbezogen – denn je nach aktueller Situation war ein Patient mehr oder weniger in der Lage, mit Hilfe seiner Selbstheilungskräfte zu einer guten Genesung beizutragen.

Spätestens im Mittelalter, als die heilige Hildegard von Bingen oder Paracelsus ihre Patienten in einer Weise, die man heutzutage ganzheitlich nennen würde, heilten, war klar: bei der Genesung spielen neben der Medikation und medizinischen Maßnahmen auch noch andere Faktoren eine Rolle.

Mittlerweile hat sich der Begriff der Selbstheilungskräfte zu dem Ausdruck „der innere Arzt“ gewandelt. Doch was ist eigentlich damit genau gemeint?

Besonders gut lassen sich die Selbstheilungskräfte anhand von leichten Blessuren veranschaulichen. Bei einer kleinen Schnittwunde hört innerhalb von kurzer Zeit die Blutung auf und der Körper repariert den entstandenen Schaden meist in wenigen Tagen von selbst. Er verfügt also über Mechanismen, sich selbst zu heilen. Auch bei größeren Aktionen wie einem Knochenbruch lässt der Körper die Teilstücke wieder zusammen wachsen. Die Aufgabe und Leistung des Arztes besteht natürlich in der Reponierung des Bruches, d.h., die Knochenstücke so zu platzieren, dass der Knochen wieder gerader zusammenwächst. Natürlich ist bei schweren Erkrankungen wie einem Blinddarmdurchbruch, einem Herzinfarkt und auch bei chronischen Leiden wie Diabetes medizinische Hilfe unabdingbar.

Doch auch hier tragen die Lebensumstände, die Konstitution und die innere Einstellung dazu bei, wie die Rekonvaleszenz verläuft. Jemand, der ständig gestresst ist (oder auch gestresst sein will) hat häufiger eine längere und schwierigere Genesungsdauer vor sich. Ist der Mensch jedoch bereit, aus der aktuellen Situation das Beste zu machen und positiv nach vorn zu blicken, verläuft die Heilung meist viel schneller.

Hierzu sind nicht nur Emotionen, die sich eher schwierig steuern lassen, sondern viel kognitive Kompetenz gefragt: Das Gehirn registriert sofort, wenn Schmerzen auftreten oder ein Krankheitsgefühl entsteht. Da das Gehirn den Körper möglichst intakt halten will, setzt es Mechanismen ein, die den Heilungsprozess in Gang setzen. Wenn sich der Mensch nun also nicht ängstlich verkrampft, sondern sich selber zutraut, mit der Situation gut umzugehen, kann auch der Körper seine Heilungsarbeit leisten.

In diesem Sinne: trauen Sie sich und Ihrem Körper zu, selber gut für sich zu sorgen – aber achten Sie auch auf die Grenzen. Denn bei ernsthaften Erkrankungen bedarf es medizinischer Hilfe, die aber auch dann besser wirken kann, wenn „der innere Arzt“ seinen Beitrag dazu leistet.

2. August 2017

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