…wenn die Lösung so nah liegt

„Wer mit seinen Bedürfnissen in Kontakt ist, den küsst das Leben.“

Lösungs- und ressourcenorientiertes Arbeiten – das ist der Focus unserer Netzwerkpartnerin Daniela Dohrmann. Sie ist Pädagogin und systemische Beraterin in München. Wir haben mit ihr gesprochen.

Was bedeutet systemisch?

Ziel der systemischen Beratung ist das Aufdecken persönlicher Beziehungsmuster und das Entdecken von Handlungsalternativen und Entwicklungsmöglichkeiten. Ich, als Beraterin, betrachte die Menschen, die zu mir kommen ganzheitlich in Wechselwirkung mit ihren sozialen Bedingungen, der individuellen biografischen Geschichte und der psychischen Eigenschaften. Das Hauptaugenmerk liegt dabei im ressourcen- und lösungsorientierten Bereich. Denn jeder Mensch weiß im Grunde am Besten, was für ihn gut ist. Wir tragen die Lösungen alle in uns, nur fehlt uns oftmals der Zugang dazu.

Mit welchen Problemen kommen die meisten Ihrer Klienten zu Ihnen?

Die meisten Menschen kommen zu mir, weil sie merken, „ups, da stimmt doch was nicht“, vor Entscheidungen stehen, Erschöpfungszustände haben oder sich ihr Leben schneller verändert als ihnen lieb ist. Das erlebe ich vor allem häufig bei frisch gewordenen Eltern und/oder Familien. Aber ebenso betreue ich Eltern, die pädagogischen Input und Unterstützung brauchen als auch Paare, die sich aus den Augen verloren haben – vielleicht durch eine familiäre Veränderung – und Einzelpersonen mit unterschiedlichsten Themen. Oftmals geht es darum, dass sich die Menschen zu wenig Aufmerksamkeit schenken und somit den Kontakt zu sich verloren haben. Zum Glück ist unser Körper und Geist dann so schlau, Alarm zu schlagen, dass etwas im Ungleichgewicht ist, bevor wir richtig ernsthaft krank werden.

Für wen ist systemische Beratung geeignet?

Für jeden, der Klarheit sucht und/oder scheinbar unüberwindbare Zusammenhänge und Situationen transparenter haben möchte. In einem Erstgespräch nehmen wir uns Zeit, damit mich der Klient kennenlernen kann und einen Eindruck meiner Arbeitsweise erhält. Doch vor allem geht es hierbei darum, mir seine/ihre Situation oder Anliegen zu schildern. Sowohl der Klient als auch ich entscheiden anschließend, ob wir uns eine vertrauensvolle Zusammenarbeit vorstellen können oder ein anderes Setting möglicherweise hilfreicher und zielführender wäre.

Wie viele Sitzungen müssen für eine systemische Beratung eingeplant werden?

Eine Sitzung dauert in der Regel 60 – 90 Minuten. Die Anzahl von Terminen ist individuell sehr unterschiedlich. Der Mensch bestimmt prozesshaft wie lange und wie häufig die Sitzungen stattfinden. Somit kann mir zu jedem Zeitpunkt gesagt werden, wenn der Bedarf gedeckt ist. Ich mache hierzu unterschiedliche Erfahrungen. Ich habe Klienten die kommen etwa 3-5x und dann ist es ok. Aber genauso habe ich Klienten die ich nun schon über längere Zeit begleite und die mich aufsuchen, wenn sie sich etwas Gutes tun wollen.

Was ist Ihrer Meinung nach die größte Hürde, dass Menschen entscheiden Sie aufzusuchen?

Ich denke es gibt zu dieser Frage zwei Antwortmöglichkeiten.

Zum einen ist es möglicherweise der finanzielle Aspekt. Auch wenn die systemische Therapie wissenschaftlich anerkannt ist, ist es leider NOCH ein Privatvergnügen. Dennoch bemerke ich hierzu glücklicherweise einen zunehmenden Trend in Richtung Bewusstheit und Selbstfürsorge.

Zum anderen denke ich, dass viele Menschen Angst vor dem haben, was ihnen da begegnet. Also ich meine nicht mich J sondern welche Themen und alte Wunden. Tief Vergrabenes, dass eigentlich recht gut liegt. Aber dennoch ist es ja da und will gehört werden.  Tatsachlich brauchen wir uns da nichts vormachen, wir alle haben unsere Päckchen zu tragen. Und wenn erstmals augenscheinig nicht unsere, dann vielleicht die unserer Eltern oder Großeltern.  Ich denke jedem Leser fällt nun ein kleines Päckchen ein und wenn es nur ein ganz kleines ist. Ich finde es mutig und sehr intelligent, wenn man genau diese Päckchen anschaut. Nicht nur für sich, sondern v. a. auch für seine Kinder. Denn sei es bewusst oder unbewusst… geben wir unsere Glaubensätze, Werte und Normen, Regeln und Erwartungen weiter, an denen wir selbst täglich nagen. Ich habe vor kurzem einen schönen Satz gelesen, der hieß: „…denn wir sind alle nur Kinder, denen etwas erzählt wurde.“

8. Februar 2017

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