Aufbruch aus der Blockade in die Kreativität

Wenn ein Mensch ganz klar und zweifelsfrei weiss was er möchte, und dieser Wunsch seinem Wesenskern entspricht, dann geschieht es beinahe von selbst. Dann fliesst es wie Wasser an allen Hindernissen vorbei. Es sucht sich zielsicher seinen Weg und wir wundern uns im nach hinein, wie gut sich alles gefügt hat.

Wenn die Flügel der Begeisterung am Boden hängen
Wer kennt es nicht: eine neue Idee, ein Wunsch nach Veränderung, ein Handlungsimpuls tauchen auf und stimmen uns aufbruchsfreudig und lebendig. Manchmal blinkt zeitweilig die Euphorie eines solch „grossen“ Vorhabens durch unser Leben, doch seltsamerweise tun wir oft nichts, was das Vorhaben seiner Realisierung näher bringen würde. Es kann im Bruchteil einer Millisekunde geschehen: ein bleischweres Gefühl legt sich wie eine große undurchdringliche Nebelwolke auf unseren Herzenswunsch, auf die Vision, die uns gerade eben noch so beflügelt hat, und lässt uns handlungsunfähig zurück.

Dauerparkplatz To-Do Liste
Wir behaupten dann oft, es läge an unserer mangelnden Zeit. So kommt der erste „To-Do Zettel“ daher, auf dem wir feinsäuberlich unser Vorhaben notieren. Dies funktioniert wie eine Zwischenablage unseres Gewissens, ein kleines Beruhigungsmittel für die innere Stimme, die nach Veränderung ruft. Wir können unser Vorhaben nicht beginnen, noch wirklich davon lassen und es beherzt von unserer Liste streichen, als ungetan. Stattdessen wird diese To-Do-Liste immer mal wieder hingebungsvoll erneuert, in Bücher übertragen, auf dem Computer als Notiz vermerkt, ohne jedoch je in die Tat umgesetzt zu werden.

In der Kreativitätsforschung nennen wir dieses Phänomen „Blockade“
Blockaden können sehr unangenehme Störenfriede sein. Sie können winzig sein und doch jede forsche Tat schon im Keim ersticken. Manchmal fühlen sie sich auch an wie unüberwindbare Berge, Hochhäuser, dicke graue Betonwände, durch die einfach kein Weg zu führen scheint. Doch was sind sie wirklich, was ist eine Blockade?

Stellen wir uns mal vor, wir könnten sie sehen. Wir könnten sie quasi aus uns herausstellen und ihnen eine Form geben, eine Gestalt, die es uns ermöglicht, sie ganz genau zu betrachten. Manche von Ihnen hören auf den Namen „Ja-aber“, andere auf „Klappt-ja-eh-wieder-nicht“.

Ebenfalls reichlich vertreten sind Familienmitglieder mit Namen „Ich schaff‘s einfach nicht“, oder „Mir fällt nichts ein“. Wieder andere hören auf „Das hat doch alles keinen Sinn“, „Unmöglich“ und „Ich kann es nicht“. Die Familie der Blockaden ist reichhaltig und weit verzweigt.

Sie nimmt sich innerlich emotionale Räume und lässt sich auch gerne in den Körperregionen nieder, die einem längst als eigene Schwachstelle bekannt sind. Beim einen blockiert sich gerne mal wieder die Lendenwirbelregion, dem anderen fällt es schwer, auf entspannte Weise, gesund und tief durchzuatmen, den nächsten grüßt sein alter Bekannter, der Kopfschmerz, hier drückt ein Kloß in der Kehle, dort dominieren Schwäche oder Erschöpfung, um nur ein paar der Symptome zu nennen, die bei emotional ursächlichen Handlungsblockaden mit auftauchen können.

Blockaden wirken wie magnetische Autobahnen
Blockaden haben Appetit auf mehr. Sie nähren sich von unserem Zweifel, unserer Angst und Unsicherheit. Sie sind sehr gefräßig und desto wohlgenährter sie werden, desto ausgezehrter wird unser Tatendrang, unser kreativer Mut und unsere Begeisterung. Das heisst, jedes Mal, wenn wir eine derart resignative Erfahrung hinzufügen, wächst die Stärke dieser Blockade und unser Vertrauen schrumpft.

Das interessante ist, dass parallel in der Außenwelt möglicherweise keinerlei erfahrbare Realität geschieht. Es reicht ein einziger Gedanke, wie, „daraus wird ja doch wieder nichts“ um den Erfahrungsstrang im Gehirn um eine weitere Frustration zu verbreitern. Diese negativen Autobahnen, gebaut aus tausendfachen Wiederholungen unserer – oft unbewusst ablaufenden – Gedankenketten, kreieren die Größe und Unüberwindlichkeit unserer Blockaden, bis hin zur Bewegungsunfähigkeit im übertragenen wie auch realen Wortsinn. So entsteht nach und nach ein depressives inneres Empfindungsfeld, das unser dynamisches Selbstbild in gefühlte Ketten gießt.

Der Schlüssel liegt im Inneren
Die gute Nachricht: jede Blockade trägt den Schlüssel zu ihrer Lösung bereits in sich, also in uns. Und es gibt zahlreiche kreative Wege, diese Schlüssel zu entdecken. Wir müssen beginnen, unsere Blockaden nicht länger zu ignorieren, oder sie als Feinde zu fürchten. Stattdessen können wir sie freundlich überrumpeln und voller Wertschätzung einladen, sich uns ganz zu zeigen, sich uns namentlich vorzustellen.

Dann können wir den „schaff ich ja sowieso wieder nicht“ mal an der Hand nehmen und ihn fragen, was das Schlimmste wäre, sein Name oder irgendwelche Unschaffbarkeiten? Und was er gern tun würde, wenn es nichts mehr zu schaffen gäbe? Manchmal finden wir noch im selben Augenblick heraus, dass wir in Wirklichkeit etwas ganz anderes wollen, als das, was wir uns da vorgenommen hatten. Ja, dass wir gar nicht für unsere Herzenswünsche losgegangen wären.

Der „ich kann nicht“ Tango
Die „richtigen“ Fragen zu stellen, kann Wunder bewirken. Und, einfach mal für sich selbst da zu sein, dazubleiben, anstatt sich abzulenken. Die Blockade in einen Moment der Stille mit hinein zu nehmen, ihr zu lauschen, auch das kann sie hinweg schmelzen wie Eis an der Sonne. Wir können sie sogar auffordern mit uns zu tanzen! Ja, haben Sie das schon einmal probiert, mit ihrem persönlichen „kann ich nicht“ oder „wird ja eh nichts“ durch die Wohnung zu tanzen? Probieren Sie es aus. Sich Zeit nehmen für so etwas Verrücktes erscheint uns heute im überfüllten, überforderten Alltag schier unmöglich zu sein. Doch drei Minuten den „ich schaff das nicht“ Walzer getanzt, das ist so viel erfrischender als den selben Aspekt zum hundertfünfzigsten Mal auf eine neue To-Do-Liste Dauer zu parken.

Den Schatz heben
In meiner Arbeit als Kreativitätslehrerin begleite ich Menschen darin, wieder mit ihrer dynamischen und lebendigen Seite in Kontakt zu treten, sich auszudrücken und das eigene kreative Potential zu entdecken. Sei es mit der Stimme, mit Bewegung, Achtsamkeit, Stille und natürlich mit dem Pinsel in der Hand, mit der Farbe als kraftvollem Verbündeten. Intuitives Malen ist eine großartige Möglichkeit, sich genussvoll durch die eigenen Blockaden zu arbeiten. Und dabei drücken wir uns nicht um die Blockaden herum, wir nutzen sie für uns. Wir packen sie aus, wie ein Geschenk. Denn verborgen in jeder Blockade liegen immer eine große Fülle menschlicher Lebendigkeit, tiefere Wünsche, Kraft und Visionen. So finden wir gerade durch unsere Blockaden aus dem Überlebensmodus wieder und neu in den Schöpfungsmodus. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.

Ein Betrag unserer Netzwerkpartnerin Corinna Wittke. Frau Wittke ist freischaffende Künstlerin, Kunst- & Kreativitätspädagogin und Malbegleiterin in freiem Ausdrucksmalen. Sie gibt Workshops, Einzelstunden und Seminare in Berlin, in München, in der Schweiz und in Italien. Im April lädt sie wieder zum „Malfrühling“ , einem kreativen Urlaubsseminar an den zauberhaften Lago d’Orta nach Italien ein.

Partner: Wittke, Corinna (Berlin)
2. Februar 2017

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