Gesundheit von Geburt an

Dr. Anselm Kusser ist promovierter Biochemiker und Heilpraktiker. Er verfolgt in seiner Praxis einen ganzheitlichen Ansatz und ist langjähriger Partner im Netzwerk für Gesundheit. Wir haben mit ihm gesprochen.

Was bedeutet „ganzheitlich“ für Sie?

Der Begriff „ganzheitlich“ ist ja momentan so eine Art Modewort, daher finde ich es wichtig zu hinterfragen, was genau damit gemeint ist. Für mich bedeutet eine ganzheitliche Sichtweise, dass nicht nur der Körper im Fokus steht. Der Körper ist wichtig, denn das ist unsere Manifestation als Mensch, aber es gibt weitere Bereiche und auch noch andere Ebenen: der Mensch ist ein mehrdimensionales Wesen. So gibt es ein Innen (z.B. Geist oder auch Seele genannt) und ein Außen, das in erster Linie durch unseren Körper repräsentiert wird. Zusätzlich ist das soziokulturelle Umfeld relevant, genauso wie andere äußere Faktoren, z.B. die Ernährung.

Wie setzen Sie dies in Ihrer Praxis um?

Wenn jemand mit einem Thema zu mir kommt, versuche ich herauszufinden, was die Zusammenhänge sind. Wir schauen gemeinsam, was die tiefere Ursache ist – und die kann in allen Bereichen zu finden sein. Häufig ist es ein multifaktorielles Geschehen, bei dem sich die Hauptfaktoren aber meist recht schnell herauskristallisieren. Wenn jemand z.B. an einem verspannten Nacken leidet, kann dies natürlich durch die äußere Körperhaltung entstehen (wie oft bei übermäßiger Computerarbeit), aber auch durch eine innere Haltung begünstigt sein (z.B. Starrköpfigkeit). Wenn einem dazu noch ein soziokultureller Stress am Arbeitsplatz „im Nacken sitzt“ ist das Symptom perfekt.

Mit welchen Therapieformen arbeiten Sie in Ihrer Praxis?

Im Wesentlichen arbeite ich mit Cranio-Sakraler Osteopathie und mit Shiatsu bzw. Akupressur. Diese sind etablierte Therapien, die am materiellen Körper ansetzen, aber auch in geistige bzw. energetische Bereiche vordringen. Durch meinen wissenschaftlichen Hintergrund und meine lange Erfahrung im Aikido, einer japanischen Kampfkunst, bin ich glücklicherweise in der Lage beide Seiten zu vereinen, die materielle als auch die energetische. Zudem ist die achtsame Gesprächsführung ein wichtiges Element meiner Arbeit.

Neben Ihrer Praxistätigkeit bieten Sie auch Kurse zum Thema „Vater werden“ an. Gibt es da eine Verbindung?

In diesen Kursen geht es um die Männer und deren Vorbereitung auf Geburt und Vaterschaft. Ich habe selber bei der Geburt meines Kindes erlebt, welche Ausnahmesituationen entstehen können und mir dann im Nachhinein gewünscht, ich wäre besser vorbereitet gewesen. Leider gibt es dafür kaum Angebote. Außerdem behandle ich in meiner Praxis Schwangere und auch Babys. Daraus entstand dann das Konzept für diesen Kurs.

Welche Themen gibt es bei den werdenden Vätern in Ihren Kursen?

Ich erlebe bei den Teilnehmern oftmals eine anfängliche Unsicherheit, die meist aus Unwissenheit resultiert, woraus dann wiederum Ängste entstehen können. Die momentane Situation der Geburtshilfe ist leider eh schon sehr angespannt. Dazu kommt, dass die üblichen Geburtsvorbereitungskurse in erster Linie für die weibliche Seite konzipiert sind – die Themen des werdenden Vaters kommen hier häufig zu kurz. Meine Kurse sind reine Männerkurse. Das erleichtert auch das Ansprechen von Themen, mit denen der Mann die schwangere Partnerin vielleicht nicht unbedingt belasten möchte, wie z.B. die eigenen Ängste. Inhaltlich werden die Bereiche vor, während und nach der Geburt behandelt und immer kommt auch hier mein ganzheitlicher Ansatz zum Einsatz. So üben wir z.B. die körperliche Unterstützung mit Techniken aus dem Shiatsu aber auch mentale Techniken, damit die werdenden Väter unter der Geburt entscheidungs- und handlungsfähig bleiben können. Und wir gehen auf ganz praktische Dinge und klassische medizinische Fragestellungen ein. Mir ist wichtig, dass die Männer Klarheit erlangen, was sie während der Geburt und auch danach leisten können und wollen, und was nicht. Dabei kann der Kurs sehr gut helfen. Aber auch nach der Geburt begleite ich die jungen Familien gern – ob als Termin bei mir in Praxis, als Hausbesuch oder auch in Form von weiterführenden Kursen.

Wie helfen Ihre Kurse, die momentane Situation der Geburtshilfe zu verbessern?

Wir haben aktuell die höchsten Geburtszahlen seit langem, doch leider auch den bekannten Personalmangel in den Kliniken und bei den Hebammen. Dies kann zu Stress und Zeitdruck führen, ebenso wie zu dem Gefühl, nicht ausreichend betreut zu sein. Stress ist während der Geburt leider absolut kontraproduktiv. Da diese äußeren Faktoren oftmals in dem Moment nicht änderbar sind, ist es umso wichtiger, dass die Väter gut vorbereitet sind, um der Frau und damit dem Kind die bestmögliche Unterstützung zu bieten. Hier kommt dann mein Kurs ins Spiel. Und die Resonanz ist sehr gut. So schrieb mir ein „gewordener“ Vater:

„Heute morgen ist unser Baby im Geburtshaus zur Welt gekommen! Es war unglaublich aufregend und ist kaum zu beschreiben! Ein Rat aus dem Kurs hat uns sehr geholfen, als meine Frau vor Schmerzen in die Klinik wollte, um eine PDA zu bekommen. Es hat viel Kraft gekostet, in der Situation stark zu sein und sie wieder aufzubauen, aber 30 Minuten später wurde unser Baby geboren! Es war die absolut richtige Entscheidung und sie hat diese Klarheit gebraucht!“

Partner: Kusser, Anselm Dr.
5. September 2018

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