Heilung bei Verletzungen in der Liebe

Christiane Hintzen ist Heilpraktikerin für Psychotherapie in eigener Praxis am Ammersee und spezialisiert auf Themen rund um Partnerschaft und Familie. Wir haben mit ihr über Verletzungen in der Liebe gesprochen.

Frau Hintzen, warum ist Ihnen dieses Thema so wichtig?

In meiner Praxis habe ich wiederholt Klienten, die das Thema Partnerschaft mitbringen. Sie sind oftmals deprimiert über die Atmosphäre und die Stimmung, die in der Beziehung mit dem Partner herrscht.

Was glauben Sie, woran das liegt?

Zuerst einmal muss man sich selber fragen, was bedeutet für mich Beziehung eigentlich? Denn Beziehung heißt „Bezogen sein auf den anderen“.

Hieran merkt man schon, es geht um die innere Haltung, die sich im Verhalten wiederspiegelt. D.h. WIE begegne ich meinem Partner?

Also ist in das Miteinander und aufeinander schauen der zentrale Punkt?

Ja, genau. Oftmals geht es nur darum, sich selbst gut zu fühlen. Und das wiederum geht einher mit Recht haben wollen. Nehmen wir mal das Beispiel Sexualität. Sobald die Sexualität in der Partnerschaft nachlässt, wird die gesamte Beziehung in Frage gestellt. Und damit kann bereits eine Verletzung in der Liebe entstehen.

Natürlich gehört Sexualität in den meisten Beziehungen dazu. Doch in welchem Verhältnis? Eine aktive und reife Liebe hat das Verhältnis 5:1. D.h. Respekt, Wertschätzung, Höflichkeit, Verlässlichkeit und Vertrauen stehen der Sexualität gegenüber. Oft wird die Sexualität als Grund genommen, obwohl es in den anderen Punkten nicht stimmt. Somit haben Verletzungen bereits viel eher stattgefunden.

Und damit werden die wahren Verletzungen gar nicht lokalisiert und entsprechend einfach „stehen gelassen“?

Ja, genau so kann man das sagen. Ein Streit entsteht immer durch Dritte. Das Dritte meint dabei das Thema: ein Paar streitet sich z.B. über die Kinder, die Eltern, das Geld, den Urlaub etc. Dann kommen Vorwürfe wie „weil Du… schon immer hast Du…“ . Dann gehen viele den Irrweg des einmaligen Gesprächs, um den Streit wieder zu schlichten.

Denn, darüber muss man sich klar sein: Nur ein Gespräch reicht nicht aus. Ich kenne diese Gespräche aus vielen Beschreibungen meiner Klienten. Doch wenn ich nur die Frage stelle: „Sind Sie nun wirklich im Frieden mit dem Thema?“, kommt bei den meisten ein Nein. Und das ist verständlich. Jede Wunde hat eine eigene Zeit zu heilen. Es gilt das zu achten, auf beiden Seiten.

Wie kann man es besser machen?

Nehmen wir mal die massivste Verletzung in der Beziehung, das Fremdgehen. Untreue entsteht, wenn Partner die Aufmerksamkeit der Leben–digkeit  in der Beziehung unterlassen haben. Das Leben ist aus der Beziehung gewandert. Einer geht fremd und sucht somit das Leben woanders.

Der Partner, der damit verletzt wurde, behält oft eine „Aktie“ des nicht Verzeihens bei sich. Dadurch besitzt er eine Machtposition. Und Groll ist stärker als Sehnsucht. Es ist – sozusagen – eine Art Ausgleich.

Der Partner, der fremdgegangen ist, muss sich seiner Verantwortung bewusst sein und diese auch übernehmen. Natürlich ist das ein schwerer Vertrauensbruch, weil diese Verletzung eine extreme Wunde darstellt.

Aber unabhängig vom Fremdgehen: Verletzungen ohne Verzeihen und Vergebung, bleiben Verletzungen. Bei jeder Auseinandersetzung geht es im Anschluss um Nähe und Liebe. Diese kann erst wieder entstehen, wenn der Verletzer um Verzeihung bittet und der Verletzte vergibt.

Das stimmt. Doch was genau kann man da tun?

Eine sehr gute Frage, was man TUN kann? NICHT totschweigen! Zuhören! Zuhören! Beide Seiten! Ohne zu unterbrechen, das ist ein wichtiger Punkt. Sich nicht rechtfertigen, von wegen, „Ich wollte ja nur …..; Das ist lediglich passiert, weil…..“. Das ist nicht um Verzeihung bitten. Das ist die Verantwortung von sich wegschieben.

Es geht vielmehr um Worte wie „Ich habe es nicht absichtlich getan und doch habe ich dich verletzt“ oder „Damals bin ich dir nicht gerecht geworden. Das tut mir aufrichtig leid. Bitte verzeihe mir.“

Für beide Partner ist die Bereitschaft um Verzeihung zu bitten und ebenso zu Vergeben unerlässlich. Vergeben und Verzeihen ist ein Willensakt. Damit das entstehen kann, braucht es (lt. Erfahrungen aus der Paartherapie) im Durchschnitt fünf Gespräche.

Wenn man sich diese Zeit dafür nicht nimmt, bzw. für den anderen, haben nicht verziehende Verletzungen Einfluss auf die Zukunft. Es entsteht eine Distanz zum Partner. So schmerzt die Wunde beim Verletzten in der Tiefe weiter und beim Verletzer ist ein „Schuldgeschwür“, das ebenso in der Tiefe wuchert. Es geht um: „Du bist mir wichtiger als trügerischer Frieden.“

Gibt es zum Abschluss noch eine wichtige Botschaft, die Sie unseren Lesern mitgeben können?

Sogar zwei! Zum einen: Seien Sie wohlwollend! Wir können nie 100% dem anderen gerecht werden und umgekehrt. Deshalb ist es wichtig, das Idealbild vom Partner aufzugeben und ein realistisches Bild von sich und dem Partner zu bekommen.

Und zweitens: Gestehen Sie sich die eigenen Lebensthemen ein. Die Gründe für verletzendes Verhalten oder nicht Verzeihen können, werden Sie dort finden.

Und als kleine Übung mit großer Wirkung sei hier noch erwähnt: Stellen Sie sich vor Ihren Partner und sagen Sie: „Ich achte dich und lasse dich! Achte du mich und lasse mich!“ Und dann natürlich umgekehrt. Seien Sie offen!

 

Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben – melden Sie sich gern direkt bei Frau Hintzen! www.christiane-hintzen.de

 

Partner: Hintzen, Christiane
19. September 2019

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