WINDELFREI

Babys ohne Windeln – das ist das Thema von Lisa-Marie Binder-Raupenstrauch. Sie ist studierte Juristin, klassische Homöopathin, zertifizierter Babys-ohne-Windeln-Coach und seit Jahren Partnerin im Netzwerk für Gesundheit. Wir haben mit ihr gesprochen und dabei interessante Einblicke in das Thema Windelfreibekommen.

Was bedeutet Windelfrei?

In erster Linie bedeutet es Kommunikation und Liebe. Babys haben Bedürfnisse, die sie uns zeigen. Ein Baby signalisiert, wenn es ausscheiden muss. Und für Eltern ist es eine schöne Entwicklung, diese Bedürfnisse des Kindes zu verstehen und auf ihr Kind einzugehen. Aber, ganz wichtig: Windelfrei bedeutet nicht unbedingt, dass komplett auf Windeln verzichtet werden muss. Dazu später noch mehr.

Wer muss Windelfrei überhaupt lernen – die Eltern oder das Kind?

Babys bringen von Natur aus einen „Bauplan“ mit, in dem vermerkt ist, dass die Eltern das Kind nähren, schützen und für Trockenheit und Sauberkeit sorgen. Babys sind aber auch mit ganz erstaunlichen Instinkten ausgestattet. Wenn Babys z.B. im Tragetuch unterwegs sind, scheiden sie dort normalerweise nicht aus, damit durch Gerüche keine Feinde aufmerksam werden. Dieser Schutzinstinkt ist schon in Säuglingen tief verankert.

Die jetzige Elterngeneration ist zudem in Plastikwindeln aufgewachsen – d.h. wir haben viele Dinge einfach verlernt. Zudem ist Windelfrei in unserem Kulturkreis eher die Ausnahme. Das Wichtigste ist, auf das Kind einzugehen und sich auf die Idee, dass es funktioniert, einzulassen. Und: dem Kind vertrauen.

Wie funktioniert Windelfrei und ab wann kann es damit losgehen?

Wer mag, kann sofort nach der Geburt damit loslegen. Es gibt auch immer bestimmte Zeitfenster, z.B. schließt sich die erste sensible Phase nach 12 Wochen.

Windelfrei basiert auf 3 Säulen:

  1. Kind gibt Zeichen, dass es ausscheiden muss
  2. Windelfrei nach Timing, z.B. nach dem Schlaf. Jedes Säugetier hat nach dem Schlaf eine volle Blase.
  3. Nach Intuition

Diese 3 Säulen können im Optimalfall kombiniert werden, wer sich unsicher ist, kann zunächst mit der Säule nach Timing beginnen.

Wie ist es nachts, wenn das Kind durchschläft, die Blasenkapazität aber nicht für die ganze Nacht ausreicht?

Babys, wie auch wir Erwachsene und sonstige mir bekannten Säugetiere entleeren sich nicht im Tiefschlaf, sondern befinden sich in einem sehr oberflächlichen Schlaf, wenn sie ausscheiden. Eine gefüllte Blase hindert uns daran, ruhig und tief zu schlafen. Wenn der Schlaf von Mutter und Kind also zu wünschen übrig lässt, wäre Windelfrei nachts eine mögliche Option, den Schlaf zu verbessern. Dies gilt für Phasen, in denen das Baby gesund ist und die Mutter ausgeruht genug. Ist der Schlaf aber nicht zu verbessern und das Kind schläft grundsätzlich durch, macht es Sinn, das Baby prophylaktisch „abzuhalten“, zum Beispiel, bevor man selbst sich zu Bette begibt. Das funktioniert bei den Kleinen auch im Halbschlaf sehr gut.

Zu Hause soweit gut praktikabel – aber was ist, wenn das Kind in der Kita oder bei der Tagesmutter ist?

Kinder sind faszinierend flexibel und können sich in unterschiedlichen Lebenssituationen ganz genau auf die Gegebenheiten vor Ort einstellen. Z.B. können Kinder gut trennen, dass sie bei den Großeltern auf der Couch hüpfen dürfen, zu Hause aber nicht. Genauso können sich Kinder darauf einstellen, dass im Beisein der Eltern Windelfrei praktiziert wird, in der Kita jedoch nicht. Wichtig ist, dass mindestens eine verlässliche Bezugsperson da ist, die entsprechend auf das Kind eingeht. Und ab einem Jahr verlernen Kinder das auch nicht mehr.

Und wenn es seitens des Kindes doch einmal zum Streik kommt?

Das kommt immer wieder einmal vor – und ist eine große Chance für die Eltern. Eine Chance, genau hinzuschauen, was grad los ist – gibt es belastende Situationen, die das Baby an sich gar nicht betreffen, aber dennoch Kraft und Energie entziehen? Babys haben sehr feine Antennen und spüren, wenn etwas nicht stimmt. Da sie sich aber noch nicht verbal dazu äußern können, kann ein Windelfrei -Streik ein Hilferuf der Unzufriedenheit sein

Manchmal sind auch andere Themen gerade wichtiger: z.B. Sprechen und Laufen lernen. In diesen Phasen ist der Focus des Kindes darauf gerichtet, spannende neue Dinge zu lernen, da kann das Thema Windelfrei einfach mal untergehen.

Aber auch hier gilt: Windelfrei soll allen Freude machen. Wenn die Situation zu sehr stresst, ist es völlig ok, eine Zeit lang mit Windeln zu unterstützen. Ich empfehle stets Windelfrei-Systeme aus Stoffwindeln – zum einen, weil das für den Lernprozess der Eltern von entscheidender Bedeutung ist, zum anderen aus ökologischen Gründen, denn Plastikwindelmüllberge sind ein Problem unserer Zeit.

Und selbstverständlich ist es für die Gesundheit des Kindes sinnvoll: eine luftdichte Plastikverpackung führt nicht selten zu schmerzhaften Erkrankungen wie einer Windeldermatitis.

Wie und wo kann man Windelfrei lernen?

Windelfrei kann man aus Büchern oder im Internet lernen. Wer jedoch praktische Empfehlungen im direkten Kontakt schätzt, findet bei mir in Workshops, Kursen und persönlichen Coachings umfangreiche Unterstützung beim Windelfrei-Vorhaben. Wunderbar ist es, wenn Eltern bereits während der Schwangerschaft Zeit finden, sich mit dem Thema zu beschäftigen, doch wenn das Baby da ist, kann man direkt mit dem Kind lernen, wie und dass Windelfrei funktioniert. Meine Angebote und Termine finden Sie unter http://zwergen-glueck.de.Ich freue mich über jedes Eltern-Paar, das neugierig auf sein Kind ist.

Partner: Binder-Raupenstrauch, Lisa Marie
27. Juni 2016

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